Dienstag, 27. April 2010

Weapon of Choice

Dienstag, of all the days. Es gab ein sehr schönes sonniges Wochenende mit ner Radtour, grillen, am Hafen sitzen und all dem anderen, was dazu gehört. Zudem noch der Besuch einer Bukowski-Lesung (mit Musik von Tom Waits) in der (toller Name) Sportklause.

Die Sportklause ist hier um die Ecke, 5 Minuten entfernt und eigentlich eine kleine Holzbude neben einem (meiner Meinung zu klein geratenen) Fußballplatz. Da werden dann die Fußballspiele übertragen, es gibt wohl auch ein paar kleine Pokale... sowas alles. Und im hinteren Raum war dann die Lesung. Knapp 20 Personen waren gekommen und alles wirkte improvisiert und locker. Also gut improvisiert. Abfolgen von Songs wurden einfach mal schnell umgestellt, dem Vorleser wurde vom Zuschauer auch schonmal ein Taschentuch gereicht... Mikros hätte man eigentlich nicht gebraucht. Der Leser selbst war super. Die Auswahl der Geschichten, die sehr humorvoll bis absurd rüberkamen (ich werde wohl nie wieder bei Beethoven nicht kichern müssen) war herrlich. So saß ich dann also in einem Raum, in dem überdimensionale Sombreros und furchterregende Bilder von Marlene Dietrich an den Wänden hingen und sonst alles (inklusive der Schalen mit dem Knabberzeug) auf Fußball ausgerichtet war. Ein wenig wie ein Partykeller auf dem besten Wege zu einem Bad Taste Award.

Wir konnten erst mit der Lesung anfangen, als das Spiel im Nachbarraum vorbei war. (Werder gewann in der Verlängerung, das war ein Jubel!) Es war ein, wahrscheinlich auch durch das ganze Umfeld, sehr sehr lockerer Abend. Ok, ich denke Bukowski ist so weit vom Formellen weg wie man das als Autor nur sein kann.

Ich habe hier eine schöne Zeit, habe heute sogar ein wenig was für die Uni geschafft, gestern gab es Kick Ass im Kino (empfehlenswert, ausser man steht auf französisches Schwarzweisskino)... alles bestens. Oh, und mein Internetradio ist endlich endlich ENDLICH da(Daaaaaaaankeeee), ich kann wieder meine Sender hören. Womit Bremen so eine Musikauswahl und solche Moderatoren verdient hat.... keine Ahnung.

Oh, noch eine Sache zum Bukowski-Abend... ok, das hat mit dem eigentlich nichts zu tun, aber... in der Pause stand ich dann am Rande dieses leeren Fußballplatzes. Irgendwie... bis jetzt dachte ich immer, es sei das Wasser, was mich beruhigt, wenn ich darauf schaue, aber dieser Fußballplatz hatte dieselbe Wirkung. Vielleicht ist es einfach nur die Weite und die Monotonie von solchen Flächen, die mich introspektiv und ruhig werden lässt. Wieder mal eine Erkenntnis.

Was ich dachte war, dass ich selten so frei war wie jetzt. Ich habe noch keine Arbeit, ich kenne hier immernoch sehr wenige Menschen... ich kann quasi machen, was ich will. Was auch immer. Und ich weiss nicht, ob ich einer der Menschen bin, die von zuviel Freiheit eingeschüchtert werden oder ob ich einer der Menschen bin, die das Umarmen. Das ist für mich eine Frage, über die ich in letzter Zeit viel nachgrübele. Ich geniesse die Freiheit. Aber ich fange glaube ich immernoch sehr wenig mit ihr an. Ich habe die Stadt noch kein einziges mal erkundet. Ich habe mir auch kein Buch darüber gekauft. Ich gehe an spannenden Läden vorbei, ohne hineinzuschauen. Ich bin mir noch nichtmal sicher, wo hier das nächstgelegene Antiquariat ist und wo welche Bezirke liegen die wie heissen. Name des Bürgermeisters? Keine Ahnung. Vielleicht bin ich ja eher ein Schneckenhaustyp. Jemand der Zeit braucht. Keine Ahnung. Selbst wenn wird sich das mit der Zeit legen, denke ich. Und seien wir doch mal ehrlich: Ein wenig Ruhe... hab ich mir schon verdient.

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